Flying upside-down

Freitag, 8. Juli 2016

In der Schule fangen plötzlich Leute an mich zu vermissen, mit denen ich nie ein Wort geredet habe. Es ist mein letzter Schultag und nachdem ich bereits am Dienstag ein Abschiedsmeeting der Internationals hatte, bei dem es Schokolade und ein paar Australische Süßigkeiten habe kam das Ende meiner Schulzeit hier immer näher. Heute war mein letzter Schultag hier und ich werde die Schule auf jeden Fall vermissen. Gestern gab es ein Assembly, bei dem die nach Hause gehenden Internationals vor der ganzen Schule verabschiedet wurden. Wir erhielten eine Mütze mit dem Logo der Schule, welche mir einige schon abkaufen wollten, da sie angeblich so selten ist. Außerdem erhielten wir einen Schlüsselanhänger mit dem Logo der Schule und ein Zertifikat für den Besuch der Schule. Ich war aus irgendeinem Grund der einzige von neun Internationals, bei dem applaudiert wurde.

Jetzt kennt jeder meinen Namen und ungefähr die Hälfte der Leute, die mir erzählen wie traurig sie sind, dass ich gehe, kenne ich nicht beim Namen. Es ist nett, dass so viele Leute an mich denken, trotzdem sind aber auch viele dabei, mit denen ich davor nie geredet habe. Ich hoffe, dass ich mit möglichst vielen Leuten in Kontakt bleiben werde.

Für die Schule musste ich bereits ein Formular ausfüllen, wo zahlreiche Lehre und andere Mitarbeiter der Schule unterschreiben mussten, dass ich alles erledigt hatte um die Schule zu verlassen. In Learning Studies habe ich von anderen Kuchen, Pancakes und Pizza gebracht bekommen (unsere Gruppe selbst hatte nichts, deshalb haben Schüler aus anderen Gruppen das Essen vorbeigebracht). Am Ende von Learning Studies stellten sich alle Schüler unserer Klasse in einer Reihe auf und applaudierten, während ich das letzte Mal die Learning Studies Group verließ. In der Pause spielten wir Cards against Humanity und in Truth and Perception gab es ein Film Festival mit verschiedenen Kurzfilmen.

Um 15:20 war der Schultag dann wirklich zu ende. Ich stand am Eingang und verabschiedete mich von allen meinen Freunden. Am Abend gab es noch eine kleine Abschiedfeier.

Samstag, 9. Juli 2016

Heute ging ich Segelfliegen. Dazu fuhr ich mit meinem Freund Vlad nach Gawler, wo es einen Flugplatz gibt. Hier halfen wir erst einmal, drei verschiedene Flugzeuge aus dem Hangar zu schieben und zu putzen. Danach befestigten wir eins der Segelflugzeuge wie einen Anhänger an einen Golfwagen und fuhren diesen mit dem Flugzeug ans Ende der Landebahn. Um die Segelflugzeuge zu transportieren wurde unter dem rechten Flügel ein Einrad montiert, welches das Flugzeug beim zeihen stabilisiert. Segelflugzeuge haben nur hintereinanderliegende Räder, es gibt keine seitlich nebeneinander liegenden Reifen. Daher kann das Fahrwerk das Flugzeug nur beim Rollen halten, auf dem Grund liegen Segelflugzeuge immer auf einer Seite.

Vlad machte einige Flüge mit Leuten, welche dieses Erlebnis als Erlebnisgeschenk gebucht hatten, um Flugstunden zu sammeln. Wir verbrachten den ganzen Tag auf dem Flugplatz und ich half dabei, alle Segelflugzeuge abzufertigen. Nach der Landung müssen diese von der Wiese zurück zur Startbahn geschleppt werden, außerdem müssen die zusätzlichen Räder zum Schieben erst montiert und danach wieder entfernt werden. Alle Flugzeuge dieses Clubs sind übrigens in Deutschland hergestellt, was bedeutet, dass mein erster Flug in einem Segelflugzeug in Australien in einem Deutschen Flugzeug ist.

Den ganzen Tag lang sausten Flugzeuge vorbei, da hier viele Piloten trainieren. Während man auf der Startbahn die Segelflugzeuge vorbereitet fliegen immer andere Kleinflugzeuge einige Meter über einen. Zum Starten muss ein Flügel der Ultraleichtflugzeuge festgehalten werden, damit er nicht über den Boden schleift. Dazu rennt eine Person mit der Hand am Flügel dem Flugzeug hinterher, während dieses in die Luft gezogen wird. Diesen Job durfte auch ich ausprobieren. Ein 40 Jahre altes und ziemlich lautes Flugzeug wird benutzt, um die Flieger auf 3000 Fuß Höhe zu ziehen.

Nachdem Vlad vier Flüge absolviert hatte und ich neun Flugzeuge abgefertigt hatte, war ich selbst an der Reihe. Ich durfte vorne Sitzen und wir wurden an das Zugflugzeug angehangen. Wir baten um Starterlaubnis, dann kam die Ansage „Gawler Traffic, Delta Golf Cleared for Take-off“. Beim Start war es sehr holprig und man spürt alle Turbulenzen deutlich, weil das Segelflugzeug so leicht ist. Als wir 3800 Fuß Höhe, das ist etwas mehr als ein Kilometer, erreichten, wurde das Flugzeug ausgeklinkt. Plötzlich wurden wir viel langsamer und alles war leise, wir segelten durch die Luft. Als wir uns an die Aussicht gewöhnt hatten fingen wir an, einige Manöver wie Loopings zu fliegen, wobei man das Fünffache des eigenen Körpergewichts (5G) erreicht. Ich durfte die meiste Zeit selbst steuern und es war viel einfacher als ich dachte. Auch einen der Loopings machte ich selbst. Wenn man während des Fluges die Hand aus dem Fenster streckte konnte man spüren, wie schnell man wirklich war.

Um die Grenzen des Flugzeugs kennenzulernen machten wir auch einige Stalls, dabei zieht man die Nase so weit nach oben, bis es zu einem Strömungsabriss kommt. Dann vibriert das gesamte Flugzeug und fällt wie ein Stein vom Himmel, bis man es durch einen Kurvenflug wieder auffängt. Ansonsten gab es viele scharfe Drehungen und wir schafften es auch, das Flugzeug in einen freien Fall zu bringen, wodurch wir schwerelos waren. Am Ende eines Loopings erreichten wir außerdem negative Gravität, so dass man nach oben und nicht nach unten gepresst wird. Wir flogen bis zu 270 km/h schnell und die Zeit verging wie im Flug. Nach der Landung schoben wir alle Flugzeuge zurück in den Hangar und halfen dabei, die Flügel eines anderen Flugzeugs mit Wachs zu polieren. Wer einmal kopfüber in einem Flugzeug geflogen ist wird jeden noch so turbulenten Flug ruhig finden. Als wir mit allem fertig waren wurden wir noch auf ein Ginger Beer eingeladen und machten uns anschließend auf die Rückfahrt nach Adelaide. Gawler ist über eine Stunde von Klaras Haus entfernt. Zu Hause angekommen habe ich dieses Video mit meinen Eindrücken zusammengeschnitten:

Hier sind außerdem noch ein paar Fotos:

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7 Gedanken zu “Flying upside-down

  1. Super, dass du in der Schule so nett verabschiedet wurdest. Sicher wirst du zu Hause noch oft daran denken.
    Du berichtest begeistert von deinem Segelflug. Es war bestimmt ein tolles Erlebnis.
    Ich hätte mich nicht getraut, Loopings zu machen und kopfüber zu fliegen. Ich bin sehr froh, dass du wieder heil auf dem Boden bist. Beim Lesen stockte mir der Atem…

    Ich freue mich auf dich und wünsche dir einen schönen und ruhigen Flug nach Hause!

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  2. Hallo Jonas, deine ASMS (Schule) hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und ich habe sie nur besichtigt. Applaus ist ein Zeichen von Anerkennung. Es tut gut, hier kann ich mitreden. Du kannst und darfst über die Verabschiedung in deiner Schule sehr stolz sein.
    Mit einem Segelflugzeug zu fliegen oder schweben ist eine tolle Sache. Nach dem Flug mit einem Segelflugzeug weiß man, dass Luft nicht nur Luft ist.
    Ich freue mich auf Dienstag in Frankfurt.

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  3. Hi Jonas, bei Deiner Beschreibung zum Segelfliegen ist mir erstmal das Herz stehen geblieben. Wasser hat ja keine Balken, aber Luft genauso wenig. Jetzt freust Du Dich auf Deine Familie und die Deinen freuen sich auf Dich! Zum Abschied umarme ich Dich ganz herzlich und sage noch einmal: es war eine wunderbare Zeit mit Dir. Küsschen, Erika

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  4. Hilfe Jonas! Gut, dass ich erst davon erfahren habe, als Du sicher wieder unten warst. Ich glaube, ich hätte es sonst verboten. Ich bin sehr froh, dass Du wieder sicher gelandet bist! Ich selbst möchte nie so einen Flug machen. Ich würde schon vor Angst sterben.

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  5. Hey Jonas,
    gerade haben wir erfahren, dass Du von „down under“ wieder „on the top“ bist.
    Wir haben Deine Berichte mit viel Interesse verfolgt, nicht immer kommentiert.
    Gratulation zu der „journalistischen“ Leistung. Ebenso zum eindrucksvollen schulischen Erfolg.
    Aus Erfahrung wissen wir, dass die tatsächlichen Wirkungen Deiner „down-under“ Erfahrungen nachhaltig sind.
    Für den kommenden Schulweg : viel Erfolg.

    Irmgard&Klaus
    Ronsdorf

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